Die Lokalisierung einer Finanzwebsite ist mehr als nur ein rein sprachliches Projekt. Mehrsprachige Websites von Banken, Vermögensverwaltern, Fintech-Unternehmen und Investmentfirmen müssen den branchenüblichen Vorschriften entsprechen, das Vertrauen der Anleger wahren, die Gesetze zur Barrierefreiheit einhalten und in lokalen Suchmaschinen gut platziert sein.
Eine schlecht lokalisierte Website kann Compliance-Risiken mit sich bringen, die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen, die Online-Sichtbarkeit verringern und die Kundenakquise untergraben. Dieser Leitfaden beschreibt die Risiken, denen Finanzunternehmen bei der Anpassung ihrer digitalen Inhalte an neue Märkte ausgesetzt sind. Zudem wird dargestellt, wie sich diese vermeiden lassen.
Welche Risiken birgt eine schlecht lokalisierte Finanzwebsite?
1. Vertrauen in die Marke
Wortwörtliche Übersetzungen, die nicht angemessen lokalisiert wurden, klingen oft unnatürlich. Unter Umständen spiegeln sie auch die Markenstimme nicht korrekt wider. Eine falsche oder uneinheitliche Terminologie und Stilführung auf der Website kann zudem einen nachlässigen Eindruck erwecken. Das wirkt sich negativ auf das Vertrauen der Verbraucher in ein Unternehmen aus. In bestimmten europäischen Märkten, wie etwa Spanien oder Italien, könnte das Publikum beispielsweise die Glaubwürdigkeit eines Finanzinstituts anzweifeln, wenn auf seiner Website „€ 10.000“ statt „10.000 €“ steht.
Dies wird auch durch Untersuchungen bestätigt. Eine Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts CSA Research ergab, dass 76 % der Kunden es vorziehen, Produkte und Dienstleistungen auf der Grundlage von Informationen in ihrer Muttersprache zu erwerben. Käufer misstrauen zudem grundsätzlich Finanzwebsites und Rechtsdokumenten, die sie nicht fließend lesen können.
2. Compliance
Für das Finanzmarketing gelten strenge Vorschriften. Gemäß der MiFID II der EU und der COBS 4.2 der FCA (Vereinigtes Königreich) müssen Marketingmitteilungen und Finanzwerbung auf dem jeweiligen Markt, auf dem sie veröffentlicht werden, fair, klar und nicht irreführend sein. In diesem Zusammenhang kann eine wortwörtliche Übersetzung ein Compliance-Risiko darstellen. Für bestimmte Produkte, wie beispielsweise die „assurance vie“ in Frankreich, gibt es auf anderen Märkten keine exakten Entsprechungen. Schlecht übersetzte Websites können daher als unklar empfunden werden.
MiFID II schreibt außerdem vor, dass Risikohinweise in derselben Sprache wie der übrige Text einer Mitteilung verfasst sein müssen. Eine auf Englisch belassene (oder schlecht übersetzte) Offenlegung verstößt daher gegen die Vorschriften. Eine wortwörtliche Übersetzung eines im Ausgangsmarkt genehmigten Haftungsausschlusses wird im Zielmarkt nicht automatisch ebenfalls genehmigt.
3. SEO und Sichtbarkeit in KI-Suchwerkzeugen
Das Suchverhalten, die Formulierung von Suchanfragen sowie die Suchabsicht unterscheiden sich von Markt zu Markt. Eine einfache Übersetzung von Suchanfragen und Schlagwörtern, bei der auf eine erneute Recherche zur Zielgruppe verzichtet wird, birgt das Risiko, dass Ihre Produkte und Dienstleistungen in Suchmaschinen nicht gefunden werden.
Während beispielsweise ein britischer Sparer nach „high yield savings account“ suchen würde, würde ein deutscher Sparer niemals nach „Hochzinssparkonto“ (der wörtlichen Übersetzung) suchen, da es dafür keinen annähernd gleichbedeutenden Begriff gibt. Stattdessen würden deutsche Nutzer nach „Tagesgeldkonto” oder „Festgeldkonto” suchen. Bei einer wörtlichen Übersetzung besteht die Gefahr, dass Sie sich auf Suchbegriffe konzentrieren, nach denen niemand sucht.
Hinzu kommt außerdem die technische Seite der Übersetzung im Hinblick auf SEO. Die Veröffentlichung von unbearbeiteten maschinellen Übersetzungen kann gegen die Spam-Richtlinien von Google verstoßen, in denen automatisierte Übersetzungen ohne menschliche Überprüfung als massiver Inhaltmissbrauch aufgeführt sind. Dies kann dazu führen, dass Websites aus dem Index gelöscht werden. Auch KI-Suchmaschinen wie ChatGPT und Perplexity verweisen in der Regel nur auf klare und leicht verständliche Quellen.
4. Barrierefreiheit
Für verbraucherorientierte Finanzdienstleistungen gilt die Barrierefreiheit in der EU als gesetzliche Anforderung – und zwar für jede Sprachversion Ihrer Website. Der Europäische Rechtsakt zur Barrierefreiheit (European Accessibility Act, Richtlinie (EU) 2019/882) ist im Jahr 2025 in Kraft getreten. Er verpflichtet Anbieter verbraucherorientierter Finanzdienstleistungen – einschließlich Online-Banking- und Anlegerplattformen – dazu, ihre Angebote für Menschen mit Behinderungen barrierefrei zugänglich zu machen. Er bezieht sich auf WCAG 2.1 Stufe AA, den internationalen Standard für Barrierefreiheit im Internet.
Die Einhaltung von Vorschriften in einer Sprache bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie diese auch in einer anderen Sprache einhalten. Eine lokalisierte Website benötigt eigenen Alt-Text, Videos mit Untertiteln, mit Tags versehene PDF-Dateien sowie eine Erklärung zur Barrierefreiheit in der jeweiligen Sprache. Auch bei Änderungen an Ihren Inhalten muss die Barrierefreiheit gewährleistet bleiben. Es handelt sich dabei um eine fortlaufende Verpflichtung und nicht um ein einmaliges Projekt.
Möglichkeiten zur Vermeidung dieser Risiken
Dies sind nur einige der Maßnahmen, die bei der Planung eines Lokalisierungsprojekts für eine Finanzwebsite ergriffen werden sollten, um Risiken zu mindern.
- Zusammenarbeit mit Sprachexperten, die auf die Finanzbranche spezialisiert sind. Professionelle Finanzübersetzer, Lektoren und Texter sind mit der vorgeschriebenen Terminologie, den verschiedenen Produkten und Dienstleistungen der Branche sowie den Suchgewohnheiten in den jeweiligen Märkten vertraut. Auf die Finanzbranche spezialisierte Sprachexperten können Ihnen zudem dabei helfen, Compliance-Risiken zu bewältigen. Je nach Art des Inhalts entscheiden sie, ob eine menschliche, hybride oder maschinelle Übersetzung am besten geeignet ist.
- Erstellung von Translation Memorys und Glossaren. In Translation Memorys und Glossaren werden genehmigte Begriffe und Formulierungen zur späteren Wiederverwendung gespeichert. Dadurch wird die Einheitlichkeit der vorgeschriebenen Formulierungen auf sämtlichen Seiten gewährleistet. Zudem wird sichergestellt, dass die Markenstimme auf der gesamten Website konsistent bleibt.
- Durchführung rechtlicher Prüfungen vor Ort. Vor der Veröffentlichung sollten regulierte Inhalte – wie beispielsweise Leistungsversprechen, Haftungsausschlüsse und Erklärungen zur Barrierefreiheit – von einem lokalen Prüfer im Zielmarkt anhand der dort geltenden Vorschriften überprüft werden. So lässt sich sicherstellen, dass sie den Bestimmungen, wie beispielsweise MiFID II und dem Europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit, entsprechen.
- Recherchen und Optimierung für lokale Suchen. Eine genaue Analyse, wie lokale Nutzer ihre Suchanfragen formulieren, und die anschließende Optimierung der Seiten anhand dieser Suchbegriffe tragen dazu bei, Finanzprodukte in den bevorzugten lokalen Suchmaschinen sichtbar zu machen.
- Lokalisierung von Multimedia-Inhalten. Um eine optimale Benutzererfahrung zu gewährleisten und die Barrierefreiheitsvorschriften einzuhalten, sollte audiovisuelles Material ebenso wie schriftlicher Text lokalisiert werden. Videos, Untertitel, Bildunterschriften sowie Voice-overs müssen jeweils für jede Sprache angepasst werden.
- Integration von Barrierefreiheit in Ihr Projekt. Barrierefreiheit sollte von Anfang an als Anforderung betrachtet werden und nicht erst im Nachhinein berücksichtigt werden. Um den WCAG-2.1-AA-Standard zu erfüllen, wie es der Europäische Rechtsakt zur Barrierefreiheit vorschreibt, sind Alt-Texte, Bildunterschriften, mit Tags versehene Dokumente und eine Erklärung zur Barrierefreiheit in jeder Sprache erforderlich.
- Gewährleistung einer kontinuierlichen Governance. Wenn im Laufe der Zeit Seiten hinzugefügt oder aktualisiert werden, müssen die Lokalisierungsteams überprüfen, ob die Inhalte weiterhin den Vorschriften entsprechen und ob die verwendete Terminologie sowie der Tonfall einheitlich bleiben. Es empfiehlt sich, für jede Sprachversion einen Verantwortlichen zu benennen und einen regelmäßigen Überprüfungszyklus festzulegen.
Wie Peter & Clark helfen kann
Seit 1998 erstellt, lokalisiert und verwaltet Peter & Clark digitale Inhalte für den Finanzsektor. Dabei stehen Sicherheit und Glaubwürdigkeit im Mittelpunkt. Wir unterstützen Banken, Vermögensverwalter, Fintech-Unternehmen, Finanzinstitute und Investmentfirmen dabei, in neuen Märkten zu wachsen und gleichzeitig ihre Compliance- und Regulierungsrisiken zu minimieren.
Unsere maßgeschneiderten Lösungen passen sich Ihren spezifischen Anforderungen an. Wir bieten das umfassende Fachwissen, das für jedes Lokalisierungsprojekt einer Finanzwebsite erforderlich ist:
- Fachspezifische Transkreation und Lokalisierung von Finanzinhalten.
- Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und der Barrierefreiheitsstandards.
- SEO-Lokalisierung.
- Anpassung von Multimedia-Inhalten.
- Und vieles mehr.
Häufig gestellte Fragen zur Lokalisierung von Finanzwebsites
Während bei der Übersetzung ein Text aus einer Sprache in eine andere übertragen wird, wird bei der Lokalisierung der Inhalt an einen bestimmten Markt angepasst. Dazu gehört beispielsweise die Überarbeitung der Texte, damit sie natürlicher klingen. Außerdem werden die Inhalte auf die Einhaltung lokaler Vorschriften zur Barrierefreiheit und zum Finanzmarketing überprüft, damit sie auf die lokalen Nutzer natürlich und glaubwürdig wirken.
Die Kosten für die Lokalisierung einer Finanzwebsite hängen von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen die Anzahl der Sprachen, der Umfang der Inhalte, die Anforderungen hinsichtlich aufsichtsrechtlicher Prüfungen, die SEO-Lokalisierung und der Bedarf an Anpassungen im Multimedia-Bereich. Bei der Festlegung des am besten geeigneten Übersetzungs- und Lokalisierungsansatzes spielen auch die Art des Inhalts und der erforderliche Spezialisierungsgrad eine entscheidende Rolle.
Da jedes Projekt anders ist, prüfen wir zunächst Ihre individuellen Anforderungen, bevor wir Ihnen eine Lösung vorschlagen. Unser Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, unnötige Kosten zu senken und gleichzeitig die für Finanzinhalte erforderlichen Standards in Bezug auf Genauigkeit, Konsistenz und Compliance einzuhalten.
Zu den Hauptrisiken zählen der Verlust des Vertrauens in die Marke, Verstöße gegen Vorschriften zur Vermarktung von Finanzprodukten und -dienstleistungen, eine eingeschränkte Sichtbarkeit in lokalen Suchmaschinen sowie die Nichteinhaltung der Barrierefreiheitsvorschriften.

