1. Uneinheitliche Terminologie
Wenn ein geregelter Begriff in den verschiedenen Dokumenten einer Organisation unterschiedlich übersetzt wird, kann sich seine rechtliche Bedeutung verändern. Ein und derselbe definierte Begriff muss an allen Stellen, an denen er verwendet wird, einheitlich eingesetzt werden. Andernfalls könnte der Inhalt gegen den gesetzlich vorgeschriebenen Standard der „getreuen und genauen“ Wiedergabe verstoßen.
2. Mangelndes Verständnis lokaler Vorschriften
In der Regel werden die Vorschriften von den einzelnen Rechtsordnungen festgelegt. Daher ist ein im Quellmarkt genehmigtes Dokument nicht unbedingt auch im Zielmarkt konform. Auch wenn die Vorschriften in den verschiedenen Regionen im Großen und Ganzen ähnlich sind, gibt es doch Unterschiede und Feinheiten. Wer diese nicht versteht, riskiert Verstöße.
3. Falsche Übersetzungen von Zahlen und Rechtsbegriffen
Bei der Verwendung eines allgemein ausgerichteten Übersetzers oder eines LLM zur Übersetzung regulierter Dokumente können häufig Fehler auftreten, wie beispielsweise falsche Zahlenformate und ungenaue Übersetzungen, wenn es für ein Rechtskonzept oder ein Finanzprodukt keine exakte Entsprechung gibt.
So bedeutet beispielsweise „a billion“ im Englischen „tausend Millionen“, während „un billón“ im Spanischen „eine Million Millionen“ bedeutet. Ein nicht auf Finanzterminologie spezialisierter Übersetzer oder ein maschinelles Übersetzungssystem, das hierfür nicht speziell geschult wurde, kann dies übersehen und den Begriff falsch übersetzen. Das kann zu Falschdarstellungen führen.
4. Schwache und fragmentierte Prozesse
Die Vorbereitung und Veröffentlichung regulierter Inhalte in einem anderen Markt ist eine mehrstufige Aufgabe. Sie umfasst die Übersetzung, Formatierung, rechtliche Prüfung, Freigabe und Veröffentlichung. Sind die verschiedenen Teams oder Technologien, die an jeder Phase des Workflows beteiligt sind, nicht aufeinander abgestimmt, kann es zu Verzögerungen, unnötigen Nacharbeiten und qualitativ schlechten Ergebnissen kommen.
In der Übersetzungsbranche wird dieser Prozess durch die Internationale Organisation für Normung (ISO) und konkret durch die ISO-Norm 17100 geregelt.
5. Sicherheit und Vertraulichkeit
Regulierte Inhalte enthalten oft personenbezogene Daten sowie sensible oder vertrauliche Finanzinformationen. Werden diese nicht sicher gehandhabt – wozu auch das Einfügen oder Hochladen von Dokumenten in öffentliche KI-Tools gehört –, sind Unternehmen dem Risiko von Informationslecks, Marktmissbrauch und Datenschutzverletzungen ausgesetzt.
In der EU und im Vereinigten Königreich werden Datenschutz und Datensicherheit durch die DSGVO geregelt. Die Bußgelder für Verstöße können bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes betragen – je nachdem, welcher Betrag höher ist.